Wie kommen die Eigenschaften eines Seils zustande? Ließe sich eine perfekte Leine entwickeln, die praktisch für alle Anwendungen geeignet ist? Kann man eine gelungene Konstruktion einfach kopieren? Hier finden Sie die Antworten!
Zwei Faktoren bestimmen die kennzeichnenden Eigenschaften eines Seils: seine grundlegende Konstruktion und die Auswahl der eingesetzten Rohstoffe.
Wir unterscheiden fünf Grundkonstruktionen:
Mooring. Gemeinsam mehr erreichen: Sieben Flechtkerne, fest gebündelt durch einen schützenden Mantel, ermöglichen extreme Leistungsdaten.
Twin. Im Doppelgeflecht teilen sich Kern und Mantel die Arbeit, wobei die Aufgaben sehr unterschiedlich sein können.
One. Beim Rundgeflecht bestimmt ein tragendes Geflecht die technischen Eigenschaften: Es kommt ohne Kern aus - oder ohne Mantel, das ist eine Betrachtungsfrage ...
Square. Im Quadratgeflecht bilden acht Litzen einen näherungsweise quadratischen Querschnitt. Es ist sehr robust und griffig, dabei relativ preiswert und leicht spleißbar.
Twist. Das gedrehte Seil gibt es seit Jahrtausenden. Es ist preiswert herzustellen und nimmt Stöße elastisch auf. Allerdings kann es sich unter Last aufdrehen.
Prinzipiell lässt sich jede Konstruktion mit jedem Rohstoff oder einer Mischung aus unterschiedlichen Fasern kombinieren. Wir unterscheiden zwischen zwei Rohstoffklassen:
Mega. Der Siegeszug der hochmodularen Fasern begann mit Aramid, bekannt als Kevlar. Dyneema, Zylon und Vectran haben inzwischen die Führung übernommen. Weil fast alle Molekülketten innerhalb der Fasern parallel ausgerichtet sind, kommen überragende Eigenschaften zustande. Dyneema bietet bei gleichem Querschnitt Festigkeiten jenseits denen von Stahl. Und Gleistein Ropes behauptet mit seiner Recktechnologie hier einen weltweiten Führungsanspruch. Dabei werden Festigkeit und Dehnungsverhalten im bereits geflochtenen Seil nochmals optimiert.
Geo. Polyester, Polyamid und Polypropylen sind hochfeste Fasern und bieten besonders ausgewogene Allroundeigenschaften bei moderaten Preisen. Sie stehen für ausgezeichnetes Handling und sind klar überlegen, wo elastische Dehnung gefordert ist. Außerdem sind hochfeste Fasern äußerst vielseitig und bilden damit die Grundlage für unsere breite Produktpalette bis hin zum optisch ebenbürtigen, jedoch technisch weit überlegenen Naturfaserersatz. Echte Naturfasern spielen heute kaum noch eine Rolle.
Hochfeste Doppelgeflechte: GeoTwin. Die Twin-Konstruktion sorgt mit ihrem umflochtenen Kern für einen festen und gleichmäßig runden Querschnitt. Kern und Mantel bestehen aus demselben hochfesten Material und teilen sich die Lastaufnahme zu gleichen Teilen.
Hochmodulare Doppelgeflechte: MegaTwin. Ein Hochmodulfaser-Kern sorgt für extreme Bruchlasten bei minimaler Dehnung, er übernimmt die Lastaufnahme, während der Mantel aus hochfesten Fasern Halt gibt und den hochwertigen Kern vor Beschädigungen schützt. Gleistein setzt zudem einen wolligen Zwischenmantel ein, der den Reibschluss zwischen Kern und Mantel verbessert - sonst rutscht der Kern im Stopper durch den Mantel.
Mooring: Mehrere Flechtkerne in einem Seil. Irgendwann stößt eine Konstruktion an ihre Grenzen - Twin-Seile sind nur bis zu einem gewissen Durchmesser sinnvoll und technisch machbar: Der Querschnitt wird dann instabil, die Vorbehandlung hochmodularer Kerne schwieriger. Hier übernimmt Mooring! Sieben Kerne - jeder für sich optimiert - sorgen im stabilen Verbund für unglaubliche Festigkeiten bei perfekter Materialausnutzung. Bruchlasten von über 5.500 Tonnen sind realisierbar - genug, um die größten Bohrinseln der Welt sicher zu verankern.
Hochmodulare Rundgeflechte: MegaOne. Für überragende Festigkeiten bei minimalem Querschnitt und Gewicht wird im Hochleistungsbereich der Mantel weggelassen. Damit die hochwertigen Materialien vor Witterung und Abriebbelastungen geschützt sind, werden sie mit einer Spezialbeschichtung veredelt.
Flechtlänge. Je nach Abzuggeschwindigkeit in der Maschine entstehen Geflechte mit sehr steilem Flechtbild, festem Querschnitt und hoher Elastizität oder solche mit lang gezogenem Flechtbild, flexiblerem Querschnitt und sehr niedriger Dehnung durch die geringere Zahl der Faserumlenkungen. Bei MegaTwin- und bei Mooringseilen werden diese Eigenschaften kombiniert: Hohe Flechtlänge im Kern für niedrige Dehnung, geringe Flechtlänge im Mantel für festen Halt.
Das erste brauchbare textile Fall. 1972 brachte Gleistein eine revolutionäre Neuentwicklung: CUP. Doppelgeflechte aus Polyester hatten eine zu hohe Dehnung - das lag an der Summe aus Materialdehnung und Konstruktionsdehnung. Am Material konnten wir damals nichts ändern, deshalb wurde die Flechtlänge des Kerns von CUP „auf unendlich" erhöht - die Fasern verlaufen einfach parallel! Das schaltete die Konstruktionsdehnung komplett aus.
Gereckte Seile. Gleistein ist Pionier auf dem Gebiet der Recktechnologie. Dabei werden Flechtkerne aus hochmodularen Fasern unter bestimmten physikalischen Bedingungen - unter anderem Wärme - einer kontrollierten Zugbelastung ausgesetzt. Insbesondere bei Dyneema können Bruchlast und Dehnungsverhalten nochmals signifikant verbessert werden. Und damit erhöht sich auch die Materialausnutzung.
Das beste Material für Mäntel. Polyester ist ein ausgezeichnetes Material für Schutzmäntel bei Mega-Twin- und bei Mooring-Seilen. Polyester ist sehr langlebig und erhält unter fast allen Bedingungen seine hervorragenden Allroundeigenschaften. Allerdings ist Polyester relativ schwer - und wenn es auf das letzte Gramm oder auf Schwimmfähigkeit ankommt, bringen wir das leichte Polysteel zum Einsatz, eine hoch vergütete Polypropylenfaser. Polysteel im Mantel bietet Ihnen Gleistein sowohl sortenrein, als auch im Mix mit Polyester als Gleistein Plus-Garne.
Quadratgeflechte: Square. Das Quadratgeflecht bildet eine Brücke zwischen geflochtenem und gedrehtem Tauwerk. Es ist wirtschaftlich herzustellen und weist eine relativ hohe Konstruktionsdehnung auf. Aber es ist drehungsneutral. In der industriellen Schifffahrt spielt es eine wichtige Rolle, denn jeder Berufsseefahrer kann es spleißen.
Gedrehte Seile: GeoTwist. Das gedrehte oder geschlagene Seil ist schon 5.000 Jahre alt. Und es gehört nach wie vor nicht zum alten Eisen: Bis heute kann es in vielen Bereichen brillieren, nämlich überall da, wo eine hohe Konstruktionsdehnung gewünscht ist - zum Beispiel als Festmacher. Oder dort, wo man gerade den Umstand zu würdigen weiß, dass diese Konstruktion schon so lange bekannt ist: Auf Traditionsschiffen beispielsweise! Gleistein hält ein eigenes Tauwerkprogramm für alle Liebhaber traditioneller Schiffe bereit: die Classics.
Hochmodulares gedrehtes Tauwerk: MegaTwist. Gedrehte Seile aus hochmodularen Fasern sind natürlich denkbar - aber nicht sinnvoll. Im geschlagenen Seil gibt es relativ starke Verseilverluste. Das heißt, der Wirkungsgrad ist niedriger, als bei Geflechten, und man benötigt mehr Material. Die preiswertere Konstruktion würde durch den höheren Rohstoffpreis letztendlich teurer werden.
Das ideale Seil. Natürlich gibt es universelle Taue. Aber das perfekte Seil kann es nicht geben! Eine hohe Dehnung kann gewünscht sein oder gerade nicht, ein schwimmfähiges Seil ist keine Ankerleine, High-End-Tauwerk erhöht die Performance, kann aber das Handling erschweren und viele Beschläge überfordern. Ein sehr fester Mantel unterstützt die Langlebigkeit, vermindert aber die Flexibilität, und so weiter. Gleistein kann für jede Anwendung optimierte Produkte liefern - oder ganz universelle. Aber nicht beides auf einmal! Und das kann auch kein anderer ...
Kann man ein gutes Seil nicht relativ leicht kopieren? Ja, mit der richtigen Maschine und viel Zeit zum Experimentieren geht das - und es wird natürlich auch gemacht. Allerdings gibt es den Support und die Sicherheit eines renommierten Herstellers dann nicht dazu. Und weil ein gutes Seil noch lange kein gut eingesetztes Seil ist, reicht das nicht. Bei Gleistein erhalten Sie für jede Anwendung genau das richtige - und das ist letztendlich wirtschaftlicher.